Pflegeleistungen11. März 2026

Tages- und Nachtpflege als Entlastung für pflegende Angehörige und Unterstützung der häuslichen Pflege: Unterschied, Kosten und Beantragung

Tagespflege und Nachtpflege bezeichnet die teilstationäre Pflege zur Ergänzung oder Stärkung der häuslichen Pflege, bei der Pflegebedürftige tagsüber oder nachts in einer Einrichtung untergebracht werden und dort Pflege...

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Sina

Pflege-Expertin | Pflegewächter

Das Wichtigste kurz zusammengefasst

  • Tages- und Nachtpflege ist eine Leistung der Pflegekasse für Menschen mit Pflegegrad 2 und höher.

  • Die Kosten variieren je nach Pflegeeinrichtung zwischen 55 und 95 Euro pro Tag.

  • Es gibt spezielle Einrichtungen für die teilstationäre Pflege. Sie kann aber auch in einem Pflegeheim durchgeführt werden.

Was ist Tagespflege und Nachtpflege?

Tagespflege und Nachtpflege bezeichnet die teilstationäre Pflege zur Ergänzung oder Stärkung der häuslichen Pflege, bei der Pflegebedürftige tagsüber oder nachts in einer Einrichtung untergebracht werden und dort Pflege und Betreuung erfahren. Beide Pflegeformen dienen dazu, die häusliche Pflege zu ergänzen und zu unterstützen, indem sie pflegende Angehörige oder andere Pflegepersonen entlasten und gleichzeitig eine professionelle Betreuung sicherstellen. Sie helfen, Pflegebedürftige länger in ihrem gewohnten Umfeld zu belassen und fördern deren soziale Interaktion sowie geistige und körperliche Aktivität.

Tagespflege

Die Tagespflege ist eine Betreuungsform, die vor allem während der Tagesstunden, typischerweise von morgens bis nachmittags, angeboten wird. Diese Einrichtungen sind dafür gedacht, Pflegebedürftigen verschiedener Pflegegrade eine professionelle Betreuung und Pflege zu bieten, während ihre Pflegepersonen arbeiten oder anderen Verpflichtungen nachgehen. Zu den Leistungen der Tagespflege zählen in der Regel:

  • medizinische Überwachung und Pflege
  • gemeinsame Mahlzeiten und Hilfe bei der Nahrungsaufnahme
  • soziale Aktivitäten und Beschäftigungsangebote, die auf die Bedürfnisse der Pflegebedürftigen abgestimmt sind
  • Transportdienste (zum Beispiel Taxi), um die Pflegebedürftigen von zu Hause zur Einrichtung und zurück zu befördern

Nachtpflege

Die Nachtpflege bietet ähnliche Dienstleistungen wie die Tagespflege, allerdings konzentriert sich diese Form der Pflege auf die Nachtstunden. Sie ist besonders für Pflegebedürftige gedacht, die nachts Überwachung und Unterstützung benötigen, beispielsweise wegen Demenz, Schlafwandeln oder anderen Gesundheitszuständen, die eine nächtliche Betreuung erforderlich machen. Die Nachtpflege umfasst unter anderem:

  • Überwachung und Unterstützung während der Nacht
  • Hilfe bei nächtlichen Routineaufgaben wie Toilettengängen
  • medizinische Überwachung und bei Bedarf sofortige Versorgung
  • ein sicheres Umfeld, um Unfälle zu vermeiden

Anspruch auf Tages- und Nachtpflege und Voraussetzungen dieser teilstationären Pflege

Pflegebedürftige der Pflegegrade 2 bis 5 nach SGB XI, die sich in häuslicher Pflege befinden, haben Anspruch auf teilstationäre Pflege. Dabei steht Personen mit Pflegegrad 5 der höchste Betrag von der Kasse für die Leistungen der Tages- und Nachtpflege zu. Diese Leistungen der Pflegeversicherung können dazu beitragen, die häusliche Pflege zu ergänzen und zu stärken.

Da der Anspruch auf Tages- und Nachtpflege direkt vom Pflegegrad abhängt, lohnt es sich bei Unsicherheit, die Einstufung prüfen zu lassen. Wenn Sie das Gefühl haben, dass der Unterstützungsbedarf im Alltag nicht vollständig berücksichtigt wurde, lassen Sie Ihren Pflegegrad unverbindlich prüfen.

Personen mit Pflegegrad 1 können den Entlastungsbetrag zur Finanzierung dieser Form der teilstationären Pflege nutzen. Diese Entlastungsleistungen ermöglichen auch bei niedrigem Pflegegrad eine professionelle Pflege und Unterstützung.

Kosten der Tages- und Nachtpflege

Die Kosten für die teilstationäre Tages- und Nachtpflege variieren je nach Einrichtung und Umfang der benötigten Betreuung. Zu den Hauptkosten gehören Betreuung, Verpflegung und ggf. Transport. Die Kostenhöhe variiert in der Regel zwischen 55 und 95 Euro pro Tag, wobei teilweise die Kosten für die Beförderung von Wohnung zur Einrichtung separat abgerechnet werden.

Genau wie bei der vollstationären Pflege übernimmt die jeweilige Pflegekasse ab Pflegegrad 2 die Kosten für die Pflege und Betreuung. Darüber hinaus anfallende Kosten für Unterkunft und Verpflegung sowie Investitionskosten tragen Pflegebedürftige als Eigenanteil selbst. Pro Tag liegt der Eigenanteil durchschnittlich zwischen 20 und 35 Euro.

Zudem ist es möglich, den 131 Euro Entlastungsbetrag, den Pflegebedürftige ab Pflegegrad 1 monatlich erhalten können, für die Kosten der Tages- oder Nachtpflege einzusetzen.

Der Anspruch auf Pflegegeld und/oder Pflegesachleistungen bleibt auch während der Inanspruchnahme von Tages- oder Nachtpflege bestehen.

Die genauen Beträge der Pflegekasse nach Pflegegrad entnehmen Sie der folgenden Tabelle:

Tabelle: Leistungen nach Pflegegrad (Stand 2025):

PflegegradTages-/NachtpflegePflegegeldPflegesachleistungen
Pflegegrad 1
Pflegegrad 2721 €/Monat347 €/Monat796 €/Monat
Pflegegrad 31.357 €/Monat599 €/Monat1.497 €/Monat
Pflegegrad 41.685 €/Monat800 €/Monat1.859 €/Monat
Pflegegrad 52.085 €/Monat990 €/Monat2.299 €/Monat

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Einrichtungen der Tages- und Nachtpflege

Die Tagespflege oder Nachtpflege kann in speziellen Einrichtungen stattfinden. Häufig bieten aber auch Seniorenheime diese Pflege in eigenen Bereichen, in denen Gäste der teilstationären Pflege untergebracht werden, an. Meist gehört für Personen mit Anspruch auf Tagespflege oder Nachtpflege außerdem ein Fahrdienst für den Transport der Pflegebedürftigen von der Wohnung zur Einrichtung dazu.

Wie wählt man die richtige Einrichtung für die teilstationäre Pflege aus?

Die Auswahl der richtigen Einrichtung sollte basierend auf den spezifischen Bedürfnissen des Pflegebedürftigen, der Qualität der Betreuung und der Nähe zum Wohnort erfolgen. Empfehlungen von Bekannten, Bewertungen und persönliche Besuche vor Ort können bei der Entscheidung helfen. Es ist wichtig, eine Einrichtung zu wählen, die eine angenehme Atmosphäre bietet und zugleich qualifiziertes Personal vorweisen kann. Achten Sie darauf, dass die Einrichtungen der Tages- und Nachtpflege anerkannt sind. Fragen Sie dazu im Zweifelsfall bei der jeweiligen Pflegekasse nach. Zudem sollten die Einrichtungen flexibel genug sein, um auf individuelle Bedürfnisse und Gesundheitszustände reagieren zu können.

Tipp

Um eine Tagespflege für Demenzkranke in der Nähe zu finden, ist es häufig sinnvoll, direkt bei der entsprechenden Pflegekasse anzufragen. Häufig haben diese eine Liste und können Ihnen geeignete Einrichtungen vorschlagen.

Antragstellung

Wer die Nacht- oder Tagespflege in Anspruch nehmen möchte, muss, genau wie bei anderen Pflegeleistungen, für die teilstationäre Pflege einen Antrag bei der zuständigen Pflegekasse stellen. Hierfür reicht zunächst ein formloser Antrag, der sowohl telefonisch als auch schriftlich gestellt werden kann.

So beantragen Sie Tages- oder Nachtpflege – in 3 Schritten:

  1. Einrichtung wählen – Suchen Sie eine geeignete Einrichtung in Ihrer Nähe (Ihre Pflegekasse kann dabei helfen).
  2. Antrag stellen – Stellen Sie einen formlosen Antrag bei Ihrer Pflegekasse – telefonisch oder schriftlich.
  3. Leistung starten & abrechnen – Die Einrichtung rechnet die Pflegeleistungen direkt mit der Pflegekasse ab.

Ambulante Nachtpflege zu Hause

Die Nachtpflege kann nicht nur in einer Einrichtung stattfinden, sondern auch ambulant, zum Beispiel durch einen Pflegedienst, im Zuhause der pflegebedürftigen Person. Je nach Bedarf werden Pflegebedürftige stundenweise oder die ganze Nacht betreut. Gerade für Demenzkranke stellt diese Form der Pflege eine sinnvolle Option dar, denn sie finden sich häufig in neuen Umgebungen nicht gut zurecht.

Die ambulante Nachtpflege kann über die Pflegesachleistungen mit der Pflegekasse abgerechnet werden. In der Regel übernimmt die Kasse die Kosten der pflegerischen Tätigkeit.

Tagespflege zu Hause

Genau wie die Nachtpflege, kann auch die Tagespflege zu Hause stattfinden. Ambulante Pflegedienste, Alltagshelfer oder Ehrenamtliche können hier die Betreuung stundenweise übernehmen. Eine Abrechnung mit der Pflegekasse ist beispielsweise über die Verhinderungspflege oder die Pflegesachleistungen möglich.

Vorteile der teilstationären Pflegeformen

Teilstationäre Pflege bietet viele Vorteile, darunter die Entlastung der Angehörigen und die soziale Interaktion für die Pflegebedürftigen. Sie ermöglicht eine professionelle Betreuung und Förderung sowie Beschäftigung für Senioren, während die individuelle Freiheit erhalten bleibt. Zudem können spezifische medizinische und therapeutische Bedürfnisse adressiert werden, die zuhause schwer umsetzbar sind.

Die Entlastung, die durch Tages- und Nachtpflege geboten wird, hilft auch pflegende Angehörige zu unterstützen, indem sie ihnen notwendige Pausen vom Pflegealltag ermöglichen. Dies trägt dazu bei, Überforderung zu vermeiden und die Gesundheit der Angehörigen zu schützen.

Beispiel

Frau Fuchs, 72 Jahre alt, nutzt seit einem Jahr die Nachtpflege bei Pflegegrad 3. Aufgrund ihrer fortgeschrittenen Demenz benötigt sie vor allem nachts eine Betreuung. Sie fährt täglich um 19 Uhr in die Einrichtung und kehrt morgens um 8 Uhr zurück nachhause. Vor Ort erhält sie die notwendige Unterstützung und Pflege. Dies ermöglicht, dass ihr Mann nachts durchschlafen und tagsüber einen Teil ihrer Pflege übernehmen kann. So können beide, trotz Frau Fuchs' Krankheit, auch weiterhin in ihrem Zuhause leben.

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Zusammenfassung

Die Tages- und die Nachtpflege bieten eine essentielle Unterstützung für Pflegebedürftige und deren Familien. Sie ermöglichen eine professionelle Betreuung, während sie gleichzeitig die häusliche Pflege ergänzen und entlasten. Bei der Wahl der richtigen Einrichtung sollten individuelle Bedürfnisse und die Qualität der Betreuung im Vordergrund stehen.

Während die Tagespflege sich auf die Betreuung während der üblichen Arbeitszeiten konzentriert, deckt die Nachtpflege den Bedarf während der Nachtstunden ab. Beide Formen sind darauf ausgelegt, die häusliche Pflege zu unterstützen und zu ergänzen. Pflegende Angehörige stehen oft vor großen Herausforderungen – teilstationäre Pflegeangebote bieten nicht nur eine professionelle Betreuung für die Pflegebedürftigen, sondern ermöglichen auch eine notwendige Auszeit für die Angehörigen.

Häufig gestellte Fragen zur Tages- und Nachtpflege

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Über den Autor

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Sina

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Sina begleitet Familien bei Fragen rund um Pflegegrad, Pflegeleistungen und Vorsorge. Sie bereitet komplexe Themen verständlich auf und zeigt, welche Unterstützung im Pflegealltag möglich ist.

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