Mehr als 80 Prozent der Pflegebedürftigen in Deutschland werden zu Hause versorgt. Dahinter stecken Angehörige, die ihre Arbeitszeit reduzieren, auf Urlaub verzichten und eigene Gesundheitsrisiken eingehen. Das System funktioniert, weil Millionen Menschen täglich diese Verantwortung tragen. Eine repräsentative Studie zeigt jetzt in Zahlen, was das kostet – finanziell und persönlich.
Fast jede zweite berufstätige Pflegeperson ist hoch belastet
59 Prozent der pflegenden Angehörigen in Deutschland sind erwerbstätig: 31,3 Prozent in Vollzeit, 27,7 Prozent in Teilzeit. Von den Berufstätigen unter ihnen fühlen sich 46,9 Prozent körperlich und psychisch hoch belastet. Knapp die Hälfte – und das sind keine Randgruppen, sondern Menschen mitten im Arbeitsleben.
45,2 Prozent der Teilzeitbeschäftigten haben ihre Arbeitszeit ausschließlich wegen der Pflege reduziert. Fast zwei Drittel der Hauptpflegepersonen sind täglich im Einsatz. Jeder Zehnte wendet pro Woche mehr als 40 Stunden für die Pflege auf – das entspricht einer Vollzeitstelle on top.
„Diese Zahlen überraschen uns nicht. Wir sehen täglich, was pflegende Angehörige leisten. Sie tragen die Hauptlast der Versorgung in Deutschland, oft jahrelang, oft ohne ausreichende Unterstützung. Und ein falscher Pflegegrad verschärft diese Situation noch: Wer zu wenig Leistungen bekommt, muss noch mehr selbst auffangen." – Sina, Pflegewächter-Expertin
Besonders auffällig: 55,2 Prozent derjenigen, die ausschließlich Pflegegeld beziehen, nehmen keine weiteren Unterstützungsleistungen in Anspruch. Entlastungsangebote der Pflegeversicherung werden damit häufig nicht genutzt, obwohl sie genau für diese Situationen gedacht sind.
Geplante Pflegekürzungen stoppen, bevor sie Gesetz werden
Über 2.800 Menschen haben unsere Petition gegen die Pflegereform 2027 bereits unterzeichnet. Werde auch du aktiv, bevor Berlin die Kürzungen beschließt.
Was Pflege kostet – und wer dafür zahlt
Wer pflegebedürftig wird oder einen Angehörigen pflegt, steht plötzlich vor einer Situation, die er sich selten so vorgestellt hat: körperlich fordernd, emotional belastend und finanziell riskant.
Wer seine Arbeitszeit reduziert oder seinen Beruf aufgibt, verliert Einkommen, Rentenansprüche und langfristige finanzielle Sicherheit. Wie gravierend dieser Rentenausfall tatsächlich ist, erklärt unser Artikel zur Rente für pflegende Angehörige. Pflege ist ein Armutsrisiko – nicht nur für Pflegebedürftige, sondern für die Pflegenden selbst. Neue Daten unterstreichen das: Laut einer aktuellen Allensbach-Umfrage haben 49 Prozent der Pflegenden Pflegearmut im eigenen Umfeld erlebt.
Die Pflegeversicherung funktioniert als Teilkaskoversicherung: Sie übernimmt einen festgelegten Betrag, der Rest ist privat zu finanzieren. Pflegebedürftige zahlen im Schnitt mehr als 3.200 Euro monatlich an Eigenanteilen für einen Heimplatz. Die Pflegeleistungen wurden zuletzt 2025 um 4,5 Prozent erhöht – die nächste Anpassung ist frühestens 2028 vorgesehen. In der Zwischenzeit steigen die Kosten der professionellen Pflege jedoch weiter.
Pflegekostenerhöhungen ohne Leistungsanpassung bis 2028
Zwischen der letzten Erhöhung der Pflegeleistungen (2025) und der nächsten geplanten Anpassung (frühestens 2028) klafft eine wachsende Lücke. Familien, die einen Angehörigen in einem Pflegeheim versorgen, spüren das direkt im Eigenanteil.
Der falsche Pflegegrad macht es noch schlimmer
Ein zu niedrig eingestufter Pflegegrad verstärkt den finanziellen Druck erheblich. Wer statt Pflegegrad 2 nur Pflegegrad 1 erhält, verliert 347 Euro monatlich. Über zehn Jahre summiert sich das auf mehr als 40.000 Euro.
Wer monatlich 347 Euro zu wenig Pflegegeld bekommt, weil der Pflegegrad zu niedrig eingestuft wurde, muss diesen Betrag selbst kompensieren. Das geht zulasten der eigenen Arbeitszeit, der eigenen Gesundheit, der eigenen Zukunft. Für pflegende Angehörige bedeutet das: noch weniger Spielraum für Auszeiten, noch mehr Stunden am Limit.
Laut Bundesgesundheitsministerium werden knapp 20 Prozent der Erstanträge auf Pflegebedürftigkeit abgelehnt. In knapp 30 Prozent aller Widersprüche korrigiert die Pflegekasse die Einstufung nachträglich nach oben. Was zu tun ist, wenn der Pflegegrad zu niedrig angesetzt wurde, erklärt unser Artikel Pflegegrad zu niedrig: Was tun?.
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Pflegegrad jetzt prüfen lassenEntlastung durch den richtigen Pflegegrad
Entlastungsangebote der Pflegeversicherung werden laut Studie kaum genutzt – obwohl konkrete Leistungen bereitstehen. Das Entlastungsbudget von 3.539 Euro jährlich für Verhinderungs- und Kurzzeitpflege gibt Angehörigen Raum für Auszeiten und schützt ihre eigene Gesundheit. Wie diese Mittel sinnvoll kombiniert werden, erklärt unser Artikel Entlastung für pflegende Angehörige.
Entlastungsbudget nicht verfallen lassen
Nicht genutzte Beträge aus dem Entlastungsbudget können bis zum 30. Juni des Folgejahres rückwirkend abgerufen werden. Wer im laufenden Jahr noch keine Verhinderungspflege oder Kurzzeitpflege genutzt hat, sollte jetzt prüfen, welche Leistungen noch beantragt werden können.
Voraussetzung für all das ist ein korrekt eingestufter Pflegegrad. Denn nur wer den richtigen Pflegegrad hat, bekommt auch die Leistungen, die ihm zustehen. Reine Beratung reicht dabei nicht aus: Viele Pflegegrade werden erst nach einem Widerspruch korrekt vergeben. Pflegewächter begleitet Betroffene über den Antrag hinaus bis zur tatsächlichen Durchsetzung – mit spezialisierten Partneranwälten, wenn es darauf ankommt.

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Häufig gestellte Fragen zu Altersarmut und Pflege
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Über den Autor
Sina
Pflege-Expertin | Pflegewächter
Sina begleitet Familien bei Fragen rund um Pflegegrad, Pflegeleistungen und Vorsorge. Sie bereitet komplexe Themen verständlich auf und zeigt, welche Unterstützung im Pflegealltag möglich ist.
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