Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Seit der Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs im Jahr 2017 hat sich die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland nahezu verdoppelt – von rund drei auf fast sechs Millionen Menschen. Das geht aus einer aktuellen Studie hervor, die der GKV-Spitzenverband in Auftrag gegeben hat. Zwischen 2017 und 2024 stieg die Zahl der Erstanträge auf Pflegeleistungen um 25,9 Prozent.
Was bedeutet das für Betroffene und ihre Angehörigen? Und warum ist dieser Anstieg gleichzeitig ein Warnsignal?
Mehr Pflegebedürftigkeit, mehr Ansprüche, mehr Kämpfe
Der Anstieg der Pflegebedürftigen ist zunächst eine gute Nachricht: Mehr Menschen nehmen Leistungen in Anspruch, die ihnen zustehen. Auch jüngere Menschen stellen heute häufiger Anträge auf Pflegeleistungen. Das zeigt, dass das System zugänglicher geworden ist.
Aber: Mit mehr Leistungsbeziehenden steigt auch der Druck auf die Pflegeversicherung. Und dieser Druck entlädt sich bereits jetzt auf dem Rücken der Betroffenen – durch geplante Kürzungen, strengere Einstufungskriterien und längere Bearbeitungszeiten. Das Robert Koch-Institut warnt vor einem weiteren Anstieg der Pflegebedürftigen um 30 Prozent und fordert mehr Prävention.
Die Einstufung bleibt das zentrale Problem
Knapp 20 Prozent der Erstanträge auf Pflegeleistungen werden abgelehnt. In der Praxis zeigt sich: Viele Pflegegrade werden erst nach einer Nachprüfung und einem Widerspruch angepasst. Die erste Einschätzung der Pflegekasse erfasst den tatsächlichen Bedarf in diesen Fällen vorab nicht vollständig.
Die komplexe Berechnung des Pflegegrades ist für normale Menschen kaum nachvollziehbar. Das Begutachtungsverfahren berücksichtigt sechs Module – von Mobilität über kognitive Fähigkeiten bis hin zur Alltagskompetenz. Kleine Unterschiede in der Dokumentation führen zu erheblichen Abweichungen in der Einstufung. Und diese Abweichungen kosten Geld.
„Seit der Reform 2017 beobachten wir, dass immer mehr Menschen erstmals Pflegeleistungen beantragen. Gleichzeitig sehen wir, dass die erste Einstufung in vielen Fällen zu niedrig ausfällt. Wir erleben, dass Betroffene erst nach einem Widerspruch den Pflegegrad erhalten, der ihnen tatsächlich zusteht." – Sina, Pflegewächter-Expertin
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Pflegegrad prüfenPflegende Angehörige tragen die Hauptlast
86 Prozent der Pflegebedürftigen leben zu Hause. Die meisten davon werden von Angehörigen versorgt: Rund 13 Prozent der Frauen und 8 Prozent der Männer in Deutschland pflegen Familienangehörige. Sie reduzieren ihre Arbeitszeit, geben Jobs auf und nehmen Einbußen bei Einkommen und Rente in Kauf.
Ein falscher Pflegegrad verschärft diese Situation weiter. Wer etwa statt Pflegegrad 2 nur Pflegegrad 1 erhält, verliert 347 Euro pro Monat. Über ein Jahr summiert sich das auf über 4.000 Euro. Pflege ist bereits heute ein Armutsrisiko – ein zu niedriger Pflegegrad macht das schlimmer.
Doppelte Belastung für Familien
Die Armutsfalle für pflegende Angehörige entsteht aus zwei Effekten gleichzeitig: Einkommensausfall der Pflegenden plus zu niedriger Pflegegrad der Pflegebedürftigen. Wer beides nicht aktiv steuert, verliert dauerhaft Geld.
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Was Betroffene jetzt tun
Der Anstieg der Pflegebedürftigen zeigt: Das System ist zugänglicher geworden. Aber zugänglich bedeutet nicht automatisch gerecht. In rund 30 Prozent der Widersprüche korrigiert die Pflegekasse ihre Einschätzung erst durch diese Nachkontrolle nach oben.
Entscheidend ist, diesen Schritt der Überprüfung und Beschwerde auch zu gehen. Allein kommen viele Betroffene nicht zu ihrem Recht. Sie brauchen Unterstützung – nicht nur bei der Antragstellung, sondern auch bei der Durchsetzung.
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Gerade weil die Zahl der Pflegebedürftigen steigt und der Druck auf das System wächst, lohnt es sich, den eigenen Pflegegrad zu überprüfen. Pflegewächter bietet eine kostenlose Erstprüfung.
Pflegegrad-Check startenFAQ: Pflegebedürftige in Deutschland 2026
Quellen: GKV-Spitzenverband, Studie zur Entwicklung der Pflegebedürftigkeit; Robert Koch-Institut; Bundesgesundheitsministerium.
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Über den Autor
Sina
Pflege-Expertin | Pflegewächter
Sina begleitet Familien bei Fragen rund um Pflegegrad, Pflegeleistungen und Vorsorge. Sie bereitet komplexe Themen verständlich auf und zeigt, welche Unterstützung im Pflegealltag möglich ist.
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