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Wie wird der Pflegegrad bei ME/CFS ermittelt?

Menschen mit ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis / Chronisches Fatigue-Syndrom) können einen Pflegegrad beantragen, wenn sie aufgrund ihrer Erkrankung dauerhaft Unterstützung im Alltag benötigen.
Die Begutachtung erfolgt nach den gleichen Kriterien wie bei anderen Pflegebedürftigen – wichtig ist, dass die Einschränkungen gründlich dokumentiert und nachvollziehbar dargestellt werden.

Was prüft der Medizinische Dienst?

Nach Antragstellung beauftragt die Pflegekasse den Medizinischen Dienst (MD) – bei Privatversicherten Medicproof – mit einer Begutachtung.
Dabei bewertet der Gutachter die Selbstständigkeit der betroffenen Person in sechs Lebensbereichen (Modulen):

  1. Mobilität – z.B. Aufstehen, Fortbewegen, Treppensteigen.
  2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten – z.B. Gedächtnis, Orientierung, Gespräche.
  3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen – z.B. Ängste, Stimmungsschwankungen, Antrieb.
  4. Selbstversorgung – z.B. Körperpflege, Anziehen, Essen, Trinken.
  5. Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen – z.B. Medikamenteneinnahme, Arzttermine.
  6. Gestaltung des Alltags und sozialer Kontakte – z.B. Tagesstruktur, soziale Teilhabe.

Aus diesen Modulen ergibt sich eine Gesamtpunktzahl, die den Pflegegrad bestimmt:

PflegegradPunktebereich
112,5 – unter 27
227 – unter 47,5
347,5 – unter 70
470 – unter 90
590 – 100

Besonderheiten bei ME/CFS

Die Schwierigkeit bei ME/CFS liegt darin, dass die Krankheit nicht immer sichtbar ist und die Belastbarkeit stark schwankt.
Viele Betroffene leiden unter:

  • Post-Exertioneller Malaise (PEM) – einer massiven Verschlechterung nach kleinster Anstrengung,
  • chronischer Erschöpfung,
  • Schlafstörungen, Konzentrationsproblemen, Schmerz- und Kreislaufbeschwerden.

Diese Symptome können zu Pflegebedürftigkeit führen, werden aber in Gutachten häufig nicht ausreichend berücksichtigt.

👉 Tipp: Wenn Sie unsicher sind, ob Ihre Einschränkungen einen Pflegegrad rechtfertigen, können Sie Ihre Situation einfach online prüfen lassen.

Unsere Pflegeexpert:innen analysieren Ihre Angaben, bewerten Ihre Chancen und zeigen, welche Leistungen Ihnen zustehen.

Pflegegrad prüfen

Wie können Sie sich vorbereiten?

Damit der Gutachter Ihre Einschränkungen richtig einschätzt, sollten Sie:

  • ein Symptom- und Pflegetagebuch führen,
  • ärztliche Berichte und Therapienachweise beilegen,
  • im Gespräch die alltäglichen Grenzen deutlich schildern (z. B. nach dem Duschen völlige Erschöpfung).

Eine gute Vorbereitung hilft, dass die Begutachtung realistisch und fair ausfällt.

Pflegegrad bei Long Covid und Fatigue-Syndrom

Viele Symptome von Long Covid ähneln denen von ME/CFS.
Auch hier kann ein Pflegegrad bewilligt werden, wenn die Selbstständigkeit im Alltag eingeschränkt ist.
Entscheidend ist nicht die Diagnose selbst, sondern wie stark Sie auf Unterstützung angewiesen sind.

Was tun, wenn der Pflegegrad zu niedrig ist?

Wenn Sie nach der Begutachtung einen zu niedrigen Pflegegrad oder eine Ablehnung erhalten, können Sie innerhalb von 30 Tagen Widerspruch einlegen.
Die unabhängigen Partneranwälte der Kanzlei Prime übernehmen über die Pflegewächter Plattform die rechtliche Begründung für Sie – einfach und kostenlos (sofern Sie den Widerspruch nicht vorzeitig abbrechen, oder falsche Angaben machen).

Widerspruch einlegen und Pflegegrad prüfen lassen

Fazit

Bei ME/CFS wird der Pflegegrad – wie bei anderen Erkrankungen – nach dem Grad der Selbstständigkeit bestimmt.
Da die Symptome schwer messbar sind, ist eine gute Dokumentation entscheidend.
Pflegewächter unterstützt Sie dabei, Ihre Pflegesituation richtig einzuschätzen und alle notwendigen Schritte einfach digital zu erledigen.

Sie möchten wissen, welcher Pflegegrad für Ihre Situation realistisch ist?

Über unseren digitalen Experten-Service erhalten Sie eine persönliche Einschätzung und konkrete Empfehlungen.

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