Pflegende Angehörige21. Juli 2026

Was Angehörigen droht: Warken kürzt Renten für Pflegende

Ab 2027 sinkt die Berechnungsgrundlage für die Rentenbeiträge pflegender Angehöriger von 100 auf 70 Prozent der Bezugsgröße. Bei Pflegegrad 5 sind das 2.640 Euro weniger Rentenanspruch pro Jahr.

Pflegegrad beantragen
S

Sina

Pflege-Expertin | Pflegewächter

Wichtige Änderung ab 1. Januar 2027

Im Rahmen des Pflegeneuordnungsgesetzes werden die Punkteschwellen für die Pflegegrade 1–3 angehoben. Neue Anträge und Höherstufungsanträge ab dem 1. Januar 2027 werden nach den strengeren Kriterien bewertet. Wer eine Höherstufung anstrebt, sollte den Antrag noch vor dem 31. Dezember 2026 stellen.

Pflegegrad vor der Reform sichern

Wer zu Hause einen Angehörigen pflegt, verliert ab 2027 einen Teil seiner Rentenansprüche. Das trifft genau die Menschen, die das Pflegesystem täglich am Laufen halten. Gesundheitsministerin Nina Warken streicht mit der Pflegereform Rentenansprüche, um auch hier Einsparungen für die Pflegekassen zu erzielen.

Wer pflegt, verliert Rente

Die Pflegekasse zahlt für pflegende Angehörige Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung. Grundlage ist ein sogenanntes fiktives Einkommen, das sich an der monatlichen Bezugsgröße orientiert. 2026 beträgt diese Bezugsgröße 3.955 Euro. Bisher zahlt die Pflegekasse auf 100 Prozent davon Rentenbeiträge in Höhe von 18,6 Prozent. Wer heute jemanden mit Pflegegrad 5 pflegt, erhält so monatlich 735 Euro an Rentenbeiträgen gutgeschrieben.

Ab 2027 sinkt die Berechnungsgrundlage auf 70 Prozent der Bezugsgröße – das sind 2.768,50 Euro. Die Pflegekasse überweist dann nur noch 515 Euro pro Monat an die Rentenversicherung.

Die Differenz: 220 Euro weniger Rentenbeitrag im Monat, 2.640 Euro weniger Rentenanspruch im Jahr. Je länger die Pflege andauert, desto stärker schlägt das auf die eigene Altersvorsorge durch.

Die Rechnung konkret: Pflegegrad 5

So verändert sich der Rentenbeitrag

Heute: Bezugsgröße 3.955 Euro × 18,6 % = 735 Euro Rentenbeitrag monatlich.

Ab 2027: 70 % der Bezugsgröße = 2.768,50 Euro × 18,6 % = 515 Euro Rentenbeitrag monatlich.

Verlust: 220 Euro Rentenbeitrag pro Monat, 2.640 Euro Rentenanspruch pro Jahr. Bei niedrigeren Pflegegraden fällt der Verlust geringer aus, bleibt aber dauerhaft spürbar.

Petition gegen die Pflegereform 2027

Nicht auf dem Rücken der Pflegenden sparen

Die geplante Rentenkürzung trifft genau die Menschen, die das Pflegesystem tragen. Unterschreibe unsere Petition, bevor die Kürzungen in Berlin beschlossen werden.

1,8 Milliarden Euro auf Kosten der Pflegenden

Mit dieser Maßnahme will die Bundesregierung 1,8 Milliarden Euro pro Jahr sparen. Das Geld fehlt direkt auf den Rentenkonten der Menschen, die ihre eigene Erwerbstätigkeit unterbrochen oder verändert haben, um für pflegebedürftige Angehörige da zu sein.

Dabei sind pflegende Angehörige ohnehin schon benachteiligt. Zwei von drei Hauptpflegepersonen in Deutschland sind Frauen, ihr Durchschnittsalter liegt bei 59 Jahren. Nur ein Drittel ist noch in Vollzeit beschäftigt. Viele haben bereits Einschnitte bei Einkommen und eigenem Rentenbeitrag hinter sich. Die Reform trifft also Menschen, die ohnehin schon vieles gegeben haben – und für die Pflege oft bereits zur Armutsfalle geworden ist.

„Pflege ist ein finanzielles Risiko. Diese Reform verschärft dieses Risiko. Familien verlieren doppelt: zuerst Einkommen durch reduzierte Arbeitszeit, jetzt auch noch Rentenansprüche." – Sina, Pflegewächter-Expertin

Was bisher als Anerkennung galt, wird gekürzt

Die Rentenbeiträge für pflegende Angehörige waren jahrelang das politische Signal: Der Staat erkennt diese Leistung an. Millionen Pflegebedürftige werden zu Hause versorgt, weil Familien einspringen. Ohne diese Bereitschaft würde das Pflegesystem zusammenbrechen.

Jetzt, in einer Phase, in der die Pflegekosten explodieren und die Zahl der Pflegebedürftigen wächst, kürzt die Bundesregierung genau diese Anerkennung. Das Signal: Wer sich kümmert, wer pflegt, wird schlechter gestellt. Das zeigt ein strukturelles Problem im System, das wir bei Pflegewächter täglich sehen.

Wurden Sie beim Pflegegrad zu niedrig eingestuft?

Prüfen Sie, ob Ihnen ein höherer Pflegegrad zusteht.

Anspruch jetzt prüfen

Schnelle Einschätzung – verbindlich entscheidet der Medizinische Dienst (MD).

Der Pflegegrad entscheidet mit

Rentenbeiträge durch Pflegezeiten gibt es nur ab Pflegegrad 2. Wer in Pflegegrad 1 feststeckt, hat schon heute keinen Anspruch auf diese Zahlungen durch die Pflegekasse.

Aus unserer täglichen Arbeit wissen wir, dass viele Menschen in Pflegegrad 1 stecken, obwohl ihnen Pflegegrad 2 zustehen würde. Wir prüfen täglich Pflegegrad-Bescheide. Nach unserer Erfahrung halten viele Einstufungen einer zweiten Überprüfung nicht stand – Pflegegrade werden oft erst durch einen Widerspruch korrekt vergeben.

Pflegegrad prüfen, bevor die Kürzung greift

Ein zu niedriger Pflegegrad kostet dich monatlich 347 Euro Pflegeleistungen und gleichzeitig die Rentenansprüche für die Pflege. Wir prüfen deinen Bescheid kostenlos und setzen den richtigen Pflegegrad mit dir durch.

Pflegegrad jetzt kostenlos prüfen

Was du jetzt tun kannst

Pflegegrad prüfen lassen – wer in Pflegegrad 1 ist oder einen zu niedrigen Bescheid erhalten hat, sollte jetzt handeln. Nur mit Pflegegrad 2 oder höher entstehen Rentenansprüche für pflegende Angehörige.
Nicht bei der Beratung stehen bleiben – eine Beratung allein reicht nicht. Es braucht die konsequente Prüfung und, wenn nötig, die rechtliche Durchsetzung.
Zeitfenster beim Teilrenten-Trick nutzen – wer bereits in Rente ist, kann bis Ende 2026 den Teilrenten-Trick prüfen, um weiter Rentenpunkte zu sammeln.

Entscheidend ist, ob jemand den Pflegegrad auch tatsächlich bekommt, der ihm zusteht. Daher arbeiten wir gemeinsam mit unabhängigen Partneranwälten aus unserem Netzwerk. Mehr Hintergründe findest du in unseren Beiträgen zur Rente für pflegende Angehörige und zur Altersarmut pflegender Angehöriger.

Häufig gestellte Fragen zur Rentenkürzung für Pflegende

War dieser Artikel hilfreich?

HEGK
15.000+ Familien

Verpassen Sie keinen Pflege-Tipp.

Täglich Wissen zu Pflegegrad, Widerspruch & Entlastung - aus der Praxis.

Über den Autor

S

Sina

Pflege-Expertin | Pflegewächter

Sina begleitet Familien bei Fragen rund um Pflegegrad, Pflegeleistungen und Vorsorge. Sie bereitet komplexe Themen verständlich auf und zeigt, welche Unterstützung im Pflegealltag möglich ist.

Pflegegrad abgelehnt oder falsch? Wir helfen!

Dein persönlicher Anwalt beantragt deinen Pflegegrad, legt bei Ablehnung Widerspruch ein und klagt, wenn nötig, vor dem Sozialgericht für deine Rechte.

Jetzt unterstützen lassen